Hans-Eckardt Wenzel mit einer ätzenden Analyse
der (hoffentlich nicht ganz) hoffnungslosen Jugend in S.

Früh um sieben schon besoffen,
vor der Schule noch zwei Lullen,
auf die erste Pause hoffen,
um zu nuckeln an den Pullen.

Alles schick, die Hosen hängen
vorschriftsmäßig in den Knien,
Pfützen stinken aus den Gängen
alter Häuser nach Urin.

Uns steht die Welt so offen
wie eine Flasche Fuselwein,
und du, du kannst nur hoffen,
nicht unser Feind zu sein!

Keine Regung, nichts, kein Lachen,
Lippen eisern wie im Western.
Mit uns wird man gar nichts machen.
Und das Mitleid? Das war gestern!

Heute wird zurück geschossen,
Ausgegrenzte der Provinzen.
Tränen sind genug geflossen,
für Prinzessinnen und Prinzen.

Uns steht die Welt so offen
wie eine Flasche Fuselwein,
und du, du kannst nur hoffen,
nicht unser Feind zu sein!

Alle Mühen sind vergebens,
keine Sau braucht hier Statistik.
Faselt nicht vom Sinn des Lebens,
gebt uns Geld und leckt uns richtig.

Schickt uns in die Kriegsgebiete!
Da gibts Geld und da gibts Waffen.
Zahlt für uns, wir sind die Miete!
Ohne uns könnt ihrs nicht schaffen.

Euer Hohn schluckt uns wie Kröten.
In den Schulen und den Bahnen
warten wir um euch zu töten,
stolz unter den schweren Fahnen.

Uns steht die Welt so offen
wie eine Flasche Fuselwein,
und du, du kannst nur hoffen,
nicht unser Feind zu sein!


(aus der CD "Kamille und Mohn", erschienen 2011)